Friseur in Olbia · Total Look
Schneidetechniken: von Sassoon bis heute
Der moderne Haarschnitt wurde 1954 in London geboren, als Vidal Sassoon entschied, dass ein perfekter Schnitt kein Haarspray braucht: Haar ist „Material in Bewegung“. Seitdem ist das Handwerk angewandte Geometrie — Elevation, Graduierung, Überdirektion. Hier sind die Techniken, die wir täglich nutzen, und ihre Herkunft.
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Die Sassoon-Revolution
Als Vidal Sassoon 1954 seinen Salon in der Bond Street eröffnete, herrschten toupierte Frisuren und Lack. Seine Gegenidee — erklärtermaßen vom Bauhaus inspiriert: „das Überflüssige weglassen" — war, dass ein technisch perfekter Schnitt von selbst in seine Form zurückfällt. Der Five Point Cut von 1963, getragen von Mary Quant und Grace Coddington, war „eine geometrische Form, geschnitten auf die Knochenstruktur"; die Britannica würdigt Sassoon dafür, Frauen mit „Wash-and-wear"-Haar vom wöchentlichen Salonbesuch befreit zu haben. Im selben Jahr schnitt er der Schauspielerin Nancy Kwan das hüftlange Haar zum berühmten graduierten Bob.
Die Grammatik des Schnitts: Elevation und Graduierung
Im weltweiten Standardlehrbuch (Milady Standard Cosmetology) wird jeder Schnitt über die Elevation beschrieben — den Winkel, in dem die Partie vom Kopf abgehoben wird: Bei 0° entsteht eine kompakte Gewichtslinie (stumpfer Schnitt), unter 90° baut man Gewicht auf (Graduierung — der klassische Wedge wird bei 45° geschnitten), ab 90° nimmt man Gewicht heraus und stuft. Überdirektion — die Partie vor dem Schnitt aus ihrem natürlichen Fall herauskämmen — platziert Länge und Gewicht genau dort, wo sie hingehören.
Schere, Messer und Texturieren
Jedes Werkzeug hinterlässt eine andere Handschrift: Der stumpfe Schnitt erzeugt eine volle Linie, die feines Haar dichter wirken lässt; Point Cutting macht die Spitzen weicher; Slide Cutting verbindet die Längen. Das Messer durchtrennt den Schaft schräg und erzeugt federnde, weiche Spitzen — ideal bei mittlerem und feinem Haar, zu vermeiden, wenn maximale Dichte gefragt ist.
Nass oder trocken?
Milady schreibt vor, nasses Haar 0,6–1,3 cm länger zu schneiden als das Ziel, weil Haar beim Trocknen einspringt — Locken um bis zu 5 cm. Daher zwei Schulen für Locken: der Trockenschnitt Locke für Locke (Deva-Methode, entstanden im New Yorker Salon Devachan), der am realen Fall arbeitet, und Ouidads nasses „Carve and Slice", das Locken wie Puzzleteile ineinanderschneidet. Wir wählen nach Lockentyp und Zielform.
Ein altes Handwerk
Der Beruf hat lange Wurzeln: Vom 12. bis zum 18. Jahrhundert waren europäische Barbiere zugleich Chirurgen; in den 1870ern erfand Marcel Grateau die nach ihm benannte Welle, und 1906 patentierte Charles Nestlé in London die erste Dauerwelle — sie dauerte bis zu 10 Stunden.
Quellen
Stand: Juni 2026
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